Wenn es kälter wird

Abende im DOJO im Schloss Puchheim — Begegnungen im Herbst 2026

Es gibt Fragen, die im Sommer leiser, fast unsichtbar sind. Nicht, weil sie sich erledigt hätten, sondern weil draußen genug los ist, dass man sie nicht hören muss. Dann wird es früher dunkel, man sitzt wieder mehr drinnen — und da sind sie wieder.

Genau dafür gibt es diese Abende. Drei zunächst, zwischen September und November. Jeder nimmt sich etwas vor, dem man im Alltag lieber ausweicht, und macht einen Ort daraus, an dem man hinschauen darf. Ohne Ratschlag, ohne Programm, ohne dass hinterher jemand etwas von dir will.

Was an diesen Abenden anders ist

Wie oft warst du auf einer Veranstaltung, die richtig gut war — und drei Tage später war nichts mehr davon übrig? Mir geht das oft so. Das liegt selten an den Vortragenden. Es liegt daran, dass zwischen Zuhören und Weitergehen keine Zeit liegt. Wir nehmen viel auf und verarbeiten wenig.

Deshalb läuft es bei mir anders herum. Ich lade jemanden ein, der etwas weiß, das ich nicht weiß. Ich höre zu und stelle dann die Fragen, die mich wirklich umtreiben — nicht die, die man üblicherweise stellt. Und dazwischen bekommst du Zeit für dich: zum Nachdenken, zum Aufschreiben, zum Reden mit den Menschen neben dir.

Neunzig Minuten, ein Gast, maximal zwanzig Leute im Kreis.

Die drei Abende im Herbst

Die Reihenfolge ist nicht zufällig. Sie geht von außen nach innen: von der Welt, die uns gerade überholt, über den eigenen Lebensbogen bis zu dem, was am Ende steht. Der Abend, der am meisten Wärme braucht, liegt am dunkelsten Punkt des Jahres.
Der erste Abend hat bereits stattgefunden — du findest ihn weiter unten auf dieser Seite.

Beieinander bleiben — Wenn Generationen füreinander sorgen

Donnerstag, 22. Oktober, 18:30–20:00 Uhr

Mein Gast: Elisa Maria Wenninger — Regionalkoordinatorin bei Zeitpolster

„Heute helfe ich. Morgen wird mir geholfen.“

Dieser Satz ist das Motto von Zeitpolster, und er dreht etwas um, das wir uns abgewöhnt haben. Wer heute Zeit hat, hilft anderen — eine Fahrt zum Arzt, eine Stunde Zeit, eine Glühbirne — und schreibt sich diese Stunden gut. Für später, wenn er selbst Hilfe braucht. Keine Wohltätigkeit, kein Almosen. Etwas, das im Kreis geht.

Und zwar quer durch die Generationen. Die Sechzigjährige fährt den Nachbarn zum Arzt. Der Pensionist hütet am Nachmittag die Kinder von nebenan. Die junge Familie nimmt den Einkauf gleich mit. Niemand ist nur Helfer, niemand nur Empfänger — das ist der Unterschied zu allem, was sonst „Hilfe“ heißt.

Elisa Maria Wenninger baut solche Gruppen auf, gerade auch hier bei uns in Attnang-Puchheim.
Zeitpolster ist ein Projekt der Leader Region Vöckla-Ager.

Älterwerden ist nichts, was man löst. Aber es macht einen Unterschied, ob man dabei allein ist — und viele sind es. Dieser Abend behauptet nicht, dass das anders wäre. Er fragt, was eigentlich mit der Nachbarschaft passiert ist. Es gab eine Zeit, in der man wusste, wer nebenan wohnt und wer im Haus gerade Hilfe brauchen könnte. Das ist vielerorts verschwunden, nicht mit Absicht — es ist einfach oft abhandengekommen.

Und dann ist da die Frage, die schwerer wiegt als jede Organisation: Warum fällt uns das Annehmen so viel schwerer als das Geben? „Ich will niemandem zur Last fallen“ ist einer der einsamsten Sätze, die es gibt. An diesem Abend darf er einmal ausgesprochen und angeschaut werden.

Worum es geht
  • Wie ein Netz entsteht, bevor jemand es braucht — und warum der Zeitpunkt alles verändert.
  • Was Menschen tatsächlich brauchen: meist keine Pflege, sondern eine Fahrt, eine Glühbirne, jemanden, der da ist.
  • Warum uns das Annehmen so schwerfällt — und was daran zu ändern wäre.

Du musst nicht alt sein, um zu kommen. Vielleicht denkst du gerade eher an deine Eltern. Oder daran, wie es bei dir selbst einmal sein soll.

Ein Abend im kleinen Kreis — nur mit Anmeldung.

Verbunden bleiben — Wenn ein Mensch geht

Donnerstag, 19. November, 18:30–20:00 Uhr · Mein Gast: Gerhard Hauser —
Bestatter und zertifizierter Trauerbegleiter in Attnang-Puchheim

Über das Sterben sprechen wir selten, solange es niemanden betrifft. Und wenn es dann so weit ist, bleibt kaum Zeit zum Nachdenken.

Gerhard Hauser geht mit seinem Beruf zeitgemäß und offen um. Er kennt die Fragen, aber auch die Sprachlosigkeit, die Angehörige mitbringen, und er weicht ihnen nicht aus: Was hilft in diesen Tagen wirklich? Was ist tatsächlich zu tun — und was von alldem, was man glaubt tun zu müssen, muss gar nicht sein? Was lässt sich zu Lebzeiten regeln, und wie fängt man so ein Gespräch in der eigenen Familie an?

Und es geht um das, was danach bleibt: die vielen Formen, in denen Erinnerung Platz haben kann. Verbunden bleiben, auch wenn jemand nicht mehr da ist.

Ein Abend, an dem man diesem Thema begegnen kann, solange es einen nicht überrollt. Du musst niemanden verloren haben, um zu kommen. In Ruhe, mit Zeit und in guter Gesellschaft — zuhören genügt.

Berührbar bleiben — Mensch sein im Zeitalter der KI

Donnerstag, 24. September 2026 · Der erste Abend der Reihe — Rückblick.

Mein Gast: Peter Huber — Autor, Speaker und Coach

Der Raum war voll. Zwanzig Menschen, Frauen und Männer, quer durch die Generationen — und eine Runde, die nicht nur zugehört hat. Es wurde nachgefragt, widersprochen, gelacht. Genau das, was ich mir für diese Abende gewünscht hatte.

Peter hat gleich zu Beginn alle aufstehen lassen: links, wer KI noch nie benutzt hat, rechts die Profis. Die Linie, die dabei entstanden ist, hat mehr über den Abend gesagt als jede Einleitung — denn fast alle standen irgendwo in der Mitte und waren selbst überrascht, wo genau.

Was hängengeblieben ist

„Künstliche Intelligenz ist gar nicht schlau.“ Peter hat erklärt, dass so ein System nichts weiß, sondern rechnet — das wahrscheinlichste nächste Wort. Wer das verstanden hat, fällt nicht mehr darauf herein und kann es trotzdem gut nutzen. Er hat einen Schraubendreher und einen Elektroschrauber nebeneinandergelegt: dieselbe Arbeit, andere Zeit. Arbeiten muss man immer noch selbst.

Und er hat die Schattenseiten nicht ausgelassen — Fälschungen, Vorurteile in den Systemen, die Frage, wer daran verdient, was das an Strom und Wasser kostet, und die Klickarbeit in Billiglohnländern, ohne die das alles nicht funktioniert.

Am hilfreichsten fand ich seine drei Kreise: Außen liegt das, was ich nicht ändern kann. In der Mitte das, was ich beeinflussen kann. Innen das, was ich selbst in der Hand habe. Je mehr Energie nach innen geht, desto kleiner wird die Angst. Diesen Gedanken haben mehrere Leute am Ende auf ihren Zettel geschrieben.

Ein Satz von Peter ist mir geblieben: „Wir wollen die KI beherrschen — aber beherrschen wir das Menschsein?“ Und ein zweiter: Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert — und alles andere wird wertvoller. Berührung. Bewegung. Ein Gespräch, in dem jemand wirklich da ist. Analog ist das neue Bio.

Was die Leute im Raum geschrieben haben

Dazwischen war es dreimal still. Musik lief, und alle haben für sich geschrieben — wo ihnen KI schon begegnet ist, woran sie merken, dass es ihnen zu schnell geht, und was sie zuletzt wirklich berührt hat.

Am Schluss hat jede und jeder einen Satz auf einen Zettel geschrieben und ihn vorne an die Wand gebracht. Ohne Namen. Ein paar davon, so wie sie dort standen:

„Nichts auf der Welt hat Bedeutung, außer ich gebe ihm Bedeutung. Der Mensch ist wichtig!“

„Ich nehme das Lenkrad selbst in die Hand. Mich berühren Erlebnisse und Aktivitäten wie musizieren und singen, Wandern.“

„KI verwenden, wo sie notwendig ist und unterstützen kann. Aber trotzdem das Menschsein nicht verlieren.“

„Menschen folgen Taten, keinen Worten. Lernen geht nur im Dialog.“

„Vertrauen im persönlichen Zusammenkommen.“

„Früher gehörte ein Bandscheibenvorfall fast zum guten Ton. Arbeiten bis zum Umfallen.“

„Selbstfürsorge! Ich habe es selbst in der Hand.“

„Ich habe Klarheit gewonnen, die Angst vor KI wurde eingegrenzt. Gute Inputs, die bei der Lebensbewältigung helfen. Danke!“

Was ich aus dem Abend mitnehme: Menschen suchen genau so einen Raum — und haben ihn jetzt im DOJO gefunden.

Die Gespräche danach, im Stehen, bei einem Getränk, haben mich noch lange beschäftigt. Sie sind auch ein Grund, warum es weitergeht.

Viele der Gäste sehe ich regelmäßig, andere kannte ich vorher kaum. Über jede einzelne dieser Begegnungen habe ich mich gefreut.

Wenn auch du kommen magst

Diese Abende sind kostenlos, und wir sitzen bei mir im DOJO im Schloss Puchheim zusammen, jeweils von halb sieben bis acht.

Mehr als zwanzig Menschen passen wirklich nicht in diesen Raum — und das ist gut so. In einer großen Runde sagt niemand mehr einen Satz, der noch nicht fertig gedacht ist. Damit ich weiß, wie viele Stühle ich stelle, schreib mir bitte kurz, dass du kommst: gabrielescheibl.at/termin-buchen.
Wenn ein Abend ausgebucht ist, führe ich eine Warteliste. Deshalb meine Bitte: Sag mir kurz Bescheid, wenn du doch nicht kommen kannst — dann rückt jemand anderer nach.

Jeder Abend steht für sich, sie sind nicht aufeinander aufbauend.

Wie geht es weiter?

Die Reihe  geht weiter. Wann genau, muss ich erst entscheiden. Und mit welchen Themen, weiß ich heute auch noch nicht — das Leben stellt seine Fragen selbst, und meistens zeigt sich an den Abenden, welche gerade dran ist. Genau deshalb heißt die Reihe, wie sie heißt: Es wird immer wieder kälter, und es gibt immer wieder etwas, dem man sich lieber gemeinsam zuwendet als allein.

Wenn dich etwas umtreibt, von dem du denkst, dass darüber einmal geredet werden müsste — sag es mir. Die besten Abende sind bisher genau so entstanden.

Portrait von Geschäftsführerin Gabriele Scheibl

Ich weiß nicht, welcher der Abende deiner ist. Vielleicht der, von dem du gerade denkst, dass er dich nichts angeht.

Wenn dich einer anspricht: Komm einfach. Du musst nichts wissen, nichts sagen und niemanden kennen. Getränke stehen bereit, und ich freue mich, wenn ich dir die Tür aufmache.

Herzlich,

Gabi Scheibl

Und falls du dich fragst, was ich hier sonst mache: Das steht auf dieser Website. An den Abenden selbst geht es darum nicht.

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